nach Dr. med. Ita Wegman

Die rhythmische Massage unterscheidet sich von der klassischen Massage durch die Art der Berührung. Die Streichungen, Knetungen, Kreise und Lemniskaten werden rhythmisch ausgeführt, wobei das Gewebe durch die Mittelhand angesaugt wird. Es ist ein atmender, an- und abschwellender, betonter und unbetonter Bewegungsablauf, der die Haut, das Bindegewebe und die Muskeln durchwärmen und verlebendigen kann.

Die Anwendung wirkt primär auf die rhythmische Tätigkeit des Menschen – auf die Atmung und auf das Herz-Kreislauf-System. Die Herz-Kreislauf-Funktion wird verbessert, eine flache Atmung vertieft und die Ausatmung gefördert. Dadurch werden auch die Flüssigkeitsströme im Organismus angeregt, verfestigte Strukturen und Stauungen gelöst und wieder ins Fließen gebracht. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Durchblutung und auf den Wärmehaushalt aus. Auch Schmerzen und Verspannungen lösen sich leichter und ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann sich normalisieren.

 „Eine Rhythmisierung des Lebens ist in unserer unruhigen Zeit überhaupt sehr notwendig.“ (R. Steiner)

Bei einer ganzheitlichen Sichtweise hat jede Stelle des Körpers einen Bezug zu anderen Stellen des Körpers. Die Massagewirkung beruhte für Rudolf Steiner vor allem auch darauf, dass der Therapeut dieses „innere Wechselwirken mit dem Organismus in entsprechender Weise durchschaut“. Je nach Krankheitsbild werden deshalb verschiedene Körperregionen massiert: So wirkt eine Behandlung der Beine, die vom Rumpf zu den Füßen ausgeführt wird, anregend auf die Ausscheidung, während eine leichte Arm- und Schultermassage die Aufbauprozesse im Stoffwechsel befördert.

Unser ganzes Leben ist von Rhythmen bestimmt. Mensch und Natur sind durch ihre Lebensrhythmen Teil eines großen Ganzen. Das heutige Leben verläuft jedoch meist ohne äußere oder innere Rhythmen, viele Lebensbereiche sind bereits „entrhythmisiert“. Vor allem ein an wirtschaftlichen Sachzwängen ausgerichtetes Leben erzwingt durch das gleichmäßige Funktionieren, durch Stress und Routine eher eine Mechanik.

>Rudolf Steiner wies auch darauf hin, dass der „obere“ = Nerven-Sinnesorganismus und der „untere“ = Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus bereits in ihrem notwendigen Zusammenspiel ein krankmachendes Potenzial besitzen, indem sie in das jeweils andere System hineinreichen und dieses dann gewissermaßen „vergiften“. Aufgabe des rhythmischen Systems ist es deshalb, zwischen oben (dem Nerven- und Sinnes-Menschen mit seinen Abbau- und Ausscheidungsprozessen) und unten (dem Stoffwechsel- und Gliedmaßen-Menschen und dessen Aufbauprozessen) zu vermitteln und damit ein dynamisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Die Zirkulationsvorgänge von Atmung und Blutkreislauf erweisen sich so ihrem Wesen nach als heilend.

Spezielle Massageöle unterstützen die Anwendung und wirken zudem als Träger heilender Substanzen: So hat Rosmarin eine anregende Wirkung auf den Stoffwechsel, während Lavendel beruhigend auf das Nervensystem wirkt.

Von besonderer Bedeutung ist die Nachruhe, die sich an die rhythmische Massage anschließt. Während dieser Ruhezeit kann der Organismus auf die Behandlung reagieren und sie angemessen verarbeiten.

Die Rhythmische Massage wird ärztlich verordnet bei zahlreichen Zivilisationskrankheiten, Schlafstörungen, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-Störungen, Erkrankungen des Bewegungs-apparats, nach Operationen oder Unfall, nach Schockereignissen, bei psychischen Erkrankungen oder unterstützend bei Tumorleiden.
Darüber hinaus dient sie der Gesundheitsförderung bzw. Regeneration sowie zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität. Auch in der Heilpädagogik wird die Rhythmische Massage wirksam eingesetzt.
Nicht zuletzt werden auch seelische Vorgänge – besonders bei Störungen des Rhythmus in den Brustorganen – berücksichtigt.

 „Der Mensch muss sich von innen heraus wieder rhythmisch aufbauen.“ (R. Steiner)