Das Öldispersionsbad ist eine spezielle Form der Badetherapie, das in den 1930er Jahren von dem medizinischen Bademeister Werner Junge nach Äußerungen Rudolf Steiners entwickelt wurde.

Individuell ausgewählte bzw. je nach Indikation ärztlich verordnete ätherische Badeöle und Pflanzenauszüge auf Olivenölbasis werden durch ein speziell entwickeltes Gerät nach physikalischen Gesetzen so fein mit Wasser verwirbelt, dass sich das Öl als hauchdünner Film über die kleinen Wassertröpfchen legt und dadurch eine zweieinhalbtausendfach vergrößerte Oberfläche erfährt, und dies ganz ohne den Zusatz von Emulgatoren.
Studien haben belegt, dass die wertvollen Wirkstoffe des Öls auf diese Weise dreimal stärker von der Haut aufgenommen werden als in einem Bad mit emulgierten Badezusätzen, bei dem das Öl lediglich an der Wasseroberfläche schwimmt.

Normalerweise stoßen sich Wasser und Öl ab, sie verbinden sich nicht. Durch das Öldispersionsbad-Gerät jedoch – ein Glasbehälter, der am Wasserzulauf befestigt wird – bildet sich eine Wirbelströmung, durch die das zuströmende Wasser und das Öl in feinste Tröpfchen zerstäubt und dadurch verbunden werden (Dispersion).
Die entstehenden Öltröpfchen sind so klein, dass sie die Barrierefunktion der Haut unterwandern und die Haut passieren können. Das Öl, das auf diese Weise eine maximale Oberflächenausdehnung erfährt, legt sich so wie eine wärmende Hülle um den Körper. Dabei  kommt es zu einer Resorption bis in die Blutbahn.


Die Unterwasser-Bürstenmassage

Als ergänzende Behandlung zum Öldispersionsbad wurde eine Unterwasser-Bürstenmassage entwickelt, wodurch die Durchblutung der Haut verstärkt und die Aufnahme des Öls in die Blutbahn noch gesteigert wird. Die Massage wird mit zwei Bürsten – breiten, flachen Bürsten mit Palmlattfasern, die im Ölbad stabil bleiben – ausgeführt.

Das Wohlbefinden hängt von der richtigen Temperatur ab, die für jeden individuell zu ermitteln ist. Im Öldispersionsbad soll man weder schwitzen noch frösteln. Die Bade-temperatur beträgt 1 – 2° C unter der vor dem Bad gemessenen Körpertemperatur. Dies
ist nicht nur besonders schonend für den Kreislauf, sondern verstärkt auch noch den Wärmeprozess.
Die Badedauer beträgt je nach Wohlbefinden 20 - 30 Minuten.


Nachruhe

Nach dem Baden wird der Körper nicht abgetrocknet, sondern in warme Tücher und Decken eingehüllt. Danach ruht man für mindestens 30 Minuten. Währenddessen kann sich die Wirkung der ätherischen Öle im entspannten Körper voll entfalten. In dieser Zeit findet auch der eigentliche Reaktionsprozess statt – der Mensch reagiert und entwickelt wohlig angenehme, innere Eigenwärme.

„Die Wärme ist dasjenige, wo das Materielle beginnt seelisch zu werden.“ (Rudolf Steiner)

Im Krankheitsfall wird nach ärztlicher Verordnung und unter fachtherapeutischer Anleitung und Aufsicht gebadet.


Indikationen

  • Störungen des Wärmehaushalts
  • Allgemeine Immunschwäche
  • Erschöpfungszustände
  • Schmerzzustände
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Hautkrankheiten
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Schlafstörungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Entwicklungsstörungen
  • Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Kinderheilkunde
  • Altersmedizin

Hauptindikationen sind Störungen des Wärmeorganismus, wie sie in unserer Umwelt heute bei sehr vielen Menschen anzutreffen sind. Wärme ist jedoch nicht nur ein physischer Zustand, sondern auch ein seelischer, weshalb die umhüllende Wärmewirkung eines Öldispersionsbades die Lebenskräfte wieder nachhaltig aufbauen kann.
Klinische Erfahrungen speziell mit älteren Menschen belegen, dass bereits nach den ersten Bädern die oft zu niedrige Körpertemperatur über die Ruhezeit hinaus erhöht bleibt. Der Wärmehaushalt normalisiert sich auf Dauer, und auch der immunbiologische Rhythmus des Körpers harmonisiert sich.


Immunstärke und Körpertemperatur

Durch das Öldispersionsbad erfolgt eine reaktive Wärmeregulierung in Bezug auf die Körperkerntemperatur, die weitaus intensiver ist als bei nur einer äußeren Anwendung.
Bei Untertemperatur, die charakteristisch für eine Immunschwäche ist, erfolgt bereits nach einer Stunde Ruhezeit eine Temperaturerhöhung von bis zu 1° C. Interessant ist auch, dass durch das Bad die Körpertemperatur eines Patienten mit entzündlichen Prozessen – der also zu Körpertemperaturen über 37° C neigt – sinkt: Die Entzündung bildet sich zurück, und Schwellungen und Schmerzen lassen nach.

Ärzte des anthroposophischen Krankenhauses in Herdecke (Ruhr) stellten außerdem fest, dass Öldispersionsbäder bei chronischen, degenerativen und rheumatischen Stoffwechsel-Erkrankungen einen deutlich schmerzlindernden Effekt erzielten: So konnte der Gebrauch von Schmerzmitteln bei chronischen Gelenkerkrankungen nach einer Öldispersionsbad-Therapie reduziert werden. Bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises kann sich sogar schon nach dem ersten Bad eine deutliche Besserung der Schmerzen und Verminderung der Bewegungseinschränkung einstellen.

Die Öle

Öl ist gespeicherte Wärme. Die vergleichsweise geringe Menge von 3 bis 5 ml Öl pro Bad entspricht einer homöopathischen Wirkung, die vergleichbar einer D 4-Verdünnung ist.
Zur Auswahl stehen über 100 hochwertige ätherische Badeöle und Pflanzenauszüge, die individuell und nach Indikation eingesetzt werden – darunter Schachtelhalm, Geranie, Johanniskraut, Wacholder, Melisse, Schlehe, Rosmarin, Lavendel, Zitrone oder Rose.
Als Trägeröl für die Essenzen wird reinstes Olivenöl aus biologischem Anbau verwendet.
Olivenöl enthält mehr Aufbaukräfte und stärkt nachhaltig die Lebenskräfte und das Immunsystem, während die ätherischen Öle mehr auf das Seelische wirken.